Bulletin Nr. 12, Juni 1998 Fanny Hünerwadel |
| Vorbemerkung | ||
| «Nicht ohne Ehrfurcht nehme
ich die leicht, doch in aller Deutlichkeit geschriebenen
Seiten in die Hand, auf denen um die Mitte des
vergangenen Jahrhunderts die Schwester meines Grossvaters
ihre brillanten Variationen über ein Menuett aus dem
Don Juan aufgezeichnet hat. Da folgen ihre
empfindsamen, romantisch gefühlsbetonten Lieder, die
nach dem Tode der jungen Künstlerin gedruckt wurden; ein
Bild, kurz vor ihrem frühen Tode in Rom gemalt, zeigt
sie am Tafelklavier stehend, in dunkelweinrotem Kleid,
geschmückt mit einer weissen Rose, vor südlicher
Gartenlandschaft, die ihren Akzent durch die rötlich
beleuchtete Peterskuppel erhält.» Diese bewegten
Worte über Fanny Hünerwadel schrieb Peter Mieg am 2.
April 1937 in der «Weltwoche». Fanny gehört sicher nicht zu den leuchtenden Vorbildern der jungen Eidgenossenschaft. Aber in ihrer aparten Mischung aus Biederkeit und weltoffener Neugierde scheint sie doch eine typische Vertreterin des Schweizerischen Nationalcharakters zu sein. und ihr Kunst- und Künstlersinn liess sie die engen Grenzen verlassen und ins banachbarte Ausland reisen. Grund genug, Peter Miegs Grosstante wieder etwas in Erinnerung zu bringen und ihr ein kleines Denkmal zu setzen. Möge es mit Interesse, Neugier und Ehrfurcht, vielleicht gar mit etwas Amüsement gelesen werden. |
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| Fanny Hünerwadel: Sängerin, Pianistin, Komponistin | ||
| von Beat Hanselmann Als anfangs Mai 1854 in ihrer Heimat die Nachricht bekannt wurde, dass Fanny Hünerwadel in Rom erst 27jährig an Typhus gestorben sei, trauerten viele um die zu früh Dahingegangene. Die Nachrufe priesen Fannys Einfachheit und Herzensgüte, ihr vorzügliches Klavierspiel und vielseitiges Wissen, ihre schöne Stimme und grosse musikalische Begabung. Die Neue Zürcher Zeitung schloss mit den Worten: «Wir beugen uns in den Ratschluss des Allmächtigen und preisen seine Wege, wenn sie uns auch dunkel sind.» und im Lenzburger Wochenblatt erschien ein Akrostichon, in welchem sich die Zeilen finden: «Noch hören wir die Himmelsklänge, / Die einst ihr Sängermund gebar, / Noch hören wir die Engelsänge / So schön, so voll, so wunderbar. // Nein, solche Seele kann nicht enden, / Nur war sie für die Welt zu rein, / Drum nahm sie Gott aus ihren Händen / und weihte sie dem Himmel ein.» Fanny Hünerwadel wurde am 26. Januar 1826 als ältestes von vier Kindern in Lenzburg geboren. Vater Friedrich Hünerwadel war Arzt und eifriger Musikliebhaber, Mutter Regula Speerli eine geschickte Klavierspielerin und Freundin des Gesangs. Fanny empfing von frühester Kindheit an nachhaltige musikalische Eindrücke im elterlichen Hause, erhielt mit sechs Jahren Klavierunterricht, zuerst wohl von der Mutter, die auch später noch die musikalischen Studien ihrer Tochter überwachte. Später wurden die Lenzbuger Musikdirektoren Ludwig Kurz, Joseph Heinrich Breitenbach und Philipp Tietz ihre Lehrer. Mit 13 sang sie im Gesangsverein. 1841 wirkte sie am eidgenössischen Musikfest in Luzern in der Aufführung der beiden Oratorien Des Heilands letzte Stunden von Ludwig Spohr und Die Himmelfahrt Christi von Sigismund Ritter von Neukomm mit. Sie widmete sich ihren Studien mit Begeisterung, denen sie schliesslich nach erfolgreicher Absolvierung der Schulen in Lenzburg in der «reinen Bergluft des sanglustigen Appenzell» ungestört ein Jahr lang bei einem Onkel in Trogen nachgehen konnte. Nach Lenzburg zurückgekehrt beteiligte sie sich an der Aufführung von Mendelssohns Paulus am 19. Juli 1842 in Lenzburg, und am 22. November 1842 trat sie mit einem Rondo für Klavier von Friedrich Kalkbrenner zum ersten Mal solistisch auf. Genau ein Jahr später konnte sie in Etienne Nicolas Méhuls Oper Joseph die Partie des Benjamin singen. Ende 1844 reiste sie zur weiteren Ausbildung für ein Jahr nach Morges, wo sie auch in Konzerten als Pianistin und Sängerin auftrat. Im Winter 1845/46 wirkte sie wieder bei Aufführungen der Liebhaber-Theatergesellschaft in Lenzburg mit, wo sie ein bedeutendes dramatisches Talent offenbarte. Da Lenzburg eine vollständige Ausbildung nicht bieten konnte, entschloss sich der Bankier J. Speerli, ein lediger Onkel mütterlicherseits, Fanny bei sich in Zürich weiter ausbilden zu lassen. Dort traf sie auf eine hohe musikalische Kultur, zu der Hans Georg Nägeli den Grund gelegt hatte. Nägeli war 1836 gestorben, und sein Nachfolger wurde Alexander Müller Klaviervirtuose, Schüler Johann Nepomuk Hummels und Bekannter Richard Wagners. Vom März 1846 an erhielt Fanny bei Müller regelmässig jede Woche vier Stunden unterricht in Gesang, Klavier, musikalischer Theorie und Komposition. Sie begann Orgel zu spielen und erhielt darin bei gelegentlichen Besuchen in ihrer Vaterstadt unterricht von G. Rabe. Ebenso eifrig widmete sie sich der Aneignung einer gründlichen Allgemeinbildung und dem Fremdsprachenstudium. In Französisch, Englisch und Italienisch brachte sie es in Sprache und Schrift zu einer ungewöhnlichen Fertigkeit. «Sie hatte sich gewöhnt, ihre Studien früh mit dem Tag zu beginnen. Der ganze Nachmittag blieb ihr so frei zu Vorbereitungen auf den folgenden Morgen, sowie zu Handarbeiten. In diesen und auch in den feinsten war sie sehr geschickt. Doch lieber widmete sie ihre übrige Zeit den Geschäften des Hauswesens; und alle ihre Kleider verfertigte sie sich selber.» In Zürich trat sie oft in Konzerten der Allgemeinen Musikgesellschaft als Sängerin und Pianistin auf (vgl. unten die Auflistung der von ihr gegebenen Konzerte). Sie war sich allerdings auch nicht zu schade, ihr Können in der Zürcher Irrenanstalt zu Gehör zu bringen. Man versuchte damals nämlich, durch Musik die unglücklichen Kranken zu besänftigen. Zuerst hatte Alexander Müller diese Aufgabe am Sonntagabend übernommen, später setzte Fanny Hünerwadel diese Hilfsleistung allein fort. «Zeigte sich auch bei den Kranken nicht ein auffallender Erfolg, so waren doch die Meisten nach einem solchen Zuhören angemessener Musik die folgenden Tage hindurch etwas leichter zu behandeln und wurde eine Ausschliessung von diesem sonntäglichen Genuss als Strafe angesehen.» Fanny machte nicht nur mit Geistesgestörten, sondern mit allen musikalischen Berühmtheiten, die sich damals in Zürich aufhielten, Bekanntschaft. Franz Liszt, Henri Vieuxtemps, Franz Abt, Ferdinand Huber, Johann Wenzel Kalliwoda und nicht zuletzt Richard Wagner schrieben ihr ins Album. Im Sommer 1851 reiste Fanny nach Paris und London, und 1853 machte sie eine längere Studienreise nach Italien. Ihr Weg führte sie immer in gesitteter Begleitung über Luzern und den Gotthard hinunter zu den Borromeischen Inseln, über Novara, Vercelli und Alessandria nach Genua und weiter nach Livorno. Die Reise ging mit der Kutsche oder dem Dampfschiff, nur auf der kurzen Strecke von Alessandria nach Busella konnte damals eine Eisenbahn benutzt werden. In Livorno besuchte sie einige Proben zu Verdis neuster OperIl trovatore und hörte Rossinis Semiramide «von echt italienischen Sängern aufführen, die einander in Roulades und dergleichen Geschnörkel überboten; ich kann mich aber an dieses Gedudel nicht gewöhnen.». Sie reiste weiter nach Florenz, wo sie bei Romani, dem ersten Gesangslehrer am Ort und in seinem Fach ergraut, unterricht nahm und der zu ihr «weiss ich doch allzuwohl, wie gerne der Italiener in Hyperbeln spricht» meinte: «Se Lei non avesse paura come una bambina di quattro anni, Lei dovrebbe cantare da fare impallidare tutte le cantanti di teatro; Lei non può imaginarsi, che effetto produce la sua voce piena di dolcezza, di velluto e di morbidezza. Oltre ciò la sua intelligenza, i suoi talenti eminenti! ma anima, anima, Signorina, da noi altri il mostrar i suoi sentimenti Ë una virtù, ma Lei ha sempre vergogna, di mostrarsi coquetta, mentre che sono sicuro, che Lei sente tutte qualche canta. Ce ne sono degli asini, che non capiscono mai, mentre che Lei capisce tutto in un momento; sous-entendu; ma Lei non Ë un asino.» Im November 1853 reiste sie weiter nach Rom, wo sie von den Familien des Landschaftsmalers Salomon Corrodi und des Bildhauers Heinrich Max Imhof aufs freundlichste aufgenommen wurde. Auf einer glänzenden Soirée eim Cavaliere Landsberg wurde sie dem Kronprinzen von Preussen, dem späteren Kaiser Friedrich, als Schweizerin und Signorina colla bella voce vorgestellt, was im Land des Belcanto schon etwas heissen will. Weihnachten feierte sie im Petersdom, wo ihr das Zeremoniell der Katholischen Kirche zwar nicht zusagte, umsomehr aber die Musik. Glück hatte sie auch hier mit ihrer Gesangslehrerin: «Meine Lehrerin Parisotti hat eine wunderbar schöne Altstimme; sie singt auch aufs natürlichste und ergreifendste in den verschiedensten Gemütsstimmungen [...]. Sie singt so beweglich, dass man auf die Knie sinken möchte.» Nach dem Karneval machte Fanny einen Abstecher nach Neapel, besuchte auch die Insel Capri und die blaue Grotte und bestieg sogar den Vesuv. Den letzten Abend ihres Aufenthalts verbrachte sie mit Musizieren bei Frau Major von Salis, die über die Künstlerin schrieb: «eine reizende Erscheinung, sich bewegend in den besten umgangsformen, französisch sprechend wie ihre Muttersprache. und als sie am Klavier sich selbst begleitend die schwierigsten Arien von Mozart vortrug, und zwar mit der grossen Meisterschaft sowohl des Spiels als des Gesangs, wurde ihr allgemeiner Beifall; alle waren entzückt. Zum Schlusse sang sie das Abschiedslied: Klagt das Herz im bangen Schmerz; sie sang diese Worte mit ihrer klangvollen Stimme so ergreifend, dass sie zu Tränen rührte.» An Ostern wohnte sie bei starker Sonnenhitze dem päpstlichen Segen vor dem Petersdom bei, wurde ohnmächtig und musste in einem Wagen nach Hause gebracht werden. Sie war an Typhus erkrankt. umsonst boten zwei deutsche Ärzte all ihre Kunst und Sorgfalt auf. Nach zwölftägigem Krankenlager ist sie am 28. April 1854 «nach mehrstündiger Agonie endlich von allen ihren Leiden erlöst in das bessere Leben hinübergeschlummert.» Die Beerdigung fand am 30. April statt. «Nie, so lange ich in Rom bin», schrieb Imhof, «habe ich eine so ernste und feierliche Beerdigung gesehen, auch nie ein so zahlreiches Leichengeleit; es waren wohl zwei- bis dreihundert Damen und Herren gegenwärtig. Der Sarg war mit Blumenkränzen geschmückt und wurde von acht Künstlern unsers Vereins getragen. [...] Eine Menge der Anwesenden, selbst solche, die ich nicht kannte, weinten und schluchzten.» Die nachfolgenden Auszüge stammen aus Briefen, die Fanny regelmässig aus Italien ihrem Onkel in Zürich schickte. «Der Ton gegen Fremde ist hier äusserst angenehm und für schüchterne Seelen sehr ermuthigend; die Achtung gegen Damen unter den Herren allgemein und mehr als gewöhnlich besonders auch gegen die im Alter schon vorgerückten Frauen, die sich freilich auch ausserordentlich gut erhalten und um die Frische ihrer Erscheinung nicht unbesorgt sind. Heiterkeit ist allgemeine Stimmung. Niemand ist mir noch vorgekommen, der mundfaul oder zungenlahm gewesen wäre.» «Die Plätze füllen sich, man könnte fast sagen, mit allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da mischt sich mit dem tönereichen Italienischen das zwitschernde Englische, das kernhafte Deutsche mit dem einschmeichelnden Französischen. An den zahllosen Marmortischen vor dem Kaffee sitzen beturbante Muselmänner, die Griechen in ihren Plumphosen, Moren mit ihren beneidenswerth weissen Zähnen, deren unverdorbene Natur die Kunst aller Zahnärzte verlacht.» «Seit dem Belagerungszustand ist alles Singen in den Strassen verboten; die musikalischen Italiener machen daher ihrer Begeisterung über ihre Opern-Melodien mit Beifallrufen und Klatschen Luft. Dies geschieht besonders auch im Theater bis zur Betäubung und Tollheit, dazu dann das Bewerfen der gefeierten Sänger und Sängerinnen mit Kränzen, riesenhaften Sträussen, kostbaren Bändern, Armspangen, Sonetten. Gelungene Passagen werden sogleich beklatscht, ein einziger gefehlter Ton aber augenblicklich ausgepfiffen.» «Den zweiten Tag heiterte sich der Himmel, und wir wagten die Fahrt nach Capri, obschon die See noch hoch gieng. Wir wurden seekrank und auf Capri wurde ich bewusstlos in den Gasthof gebracht, wo ich aber bald schlafen konnte und mich erholte, so dass ich gegen Abend im Stande war, mich meiner Gesellschaft zu einem Spaziergange nach der Villa des Tiberius anzuschliessen. [...] Dann gingen wir zur blauen Grotte, legten uns bei spiegelglattem Meere auf den Boden des schmalen Bootes nieder, und fuhren durch die schmale Öffnung unmittelbar in den Himmel hinein. Das Innere der Grotte, durch kein Tageslicht erleuchtet, strahlt in einem zaubervollen, himmelblauen Widerscheine; wir verweilten in dieser geisterhaften Aetherbläue einige Zeit und traten dann den Rückweg an, vergnügt, dass wir unsre Absichten erreicht und dass wir dieses seltne Schauspiel hatten geniessen können. [...] Endlich bestiegen wir sogar den Vesuv und zwar zum grossen Erstaunen der zudringlichen Führer ohne andere Hülfe als die eines Stockes. Droben lagerten wir uns hinter einem, uns vor Rauch und Schwefeldampf schützenden Felsen, genossen die mitgenommenen Erfrischungen, traten den mühsamen und nicht ganz gefahrlosen Gang an etwas in den Krater hinunter und rings an ihm herum. Es widerfuhr uns glücklicher Weise kein unfall; die Schuhe freilich wurden zwischen den Steinen aufgerissen, die Schleier geschwefelt und das Angesicht etwas koloriert.» «Im Theater Ogni Santi [in Florenz] hörten wir den Viscardello von Verdi [da es eine solche Oper von Verdi nicht gibt, ist unklar, welches Werk Fanny gemeint haben könnte]. Die Musik erscheint einem deutschen Ohre abgeschmackt; es ist von Verdis neuern Opern nichts Besseres zu erwarten; er sucht aus alten und neuen Partituren zusammen, was unter dem Namen einer Oper die italienischen Ohren reizt, aber die Ausführung ist meisterhaft; da jede Oper so oft wiederholt wird, so können die Instrumentalisten und Sänger Alles auswendig und die Historie wird ohne Anstoss und Anstrengung vorgetragen.» «Durch die Familie St., die mir so ausserordentlich viel Freundschaft erweist und bei welcher ich so manche vergnügte Stunde finde, wurde ich auch in eine liebenswürdige dänische Familie eingeführt. Sie, Mutter und Tochter und ihr Arzt, empfangen zwei Mahl in der Woche Gesellschaft. Alle lieben die Musik ausserordentlich; der Arzt, ein Wiener, spielt vortrefflich Klavier. Aus Stössen von Sonaten, Symphonien, Liedern wird gewählt und a prima vista gespielt und gesungen. Auch Künstler und Gelehrte erscheinen in diesem Kreise, und man freut sich von einer Versammlung auf die andere. Eingeführt sind auch einige Neapolitaner, die aber kein Deutsch sprechen, die flüchten sich dann zu mir: per caritý parlate italiano con noi altri, che non capiamo il Tedesco! und ich verstehe mich sehr gern dazu.» «Ich war auch bei dem berühmten Mahler Overbeck. Wir sahen seine Studien und Zeichnungen, alles biblische Gegenstände; alles sinnig und tief aus dem Evangelium gequollen. Christum vor die Augen zu mahlen, wie der Apostel sagt, ist denn doch wol die höchste Aufgabe der Kunst, sey's in Farben, Tönen oder Worten; er muss ja auf alle Weise verkündigt werden.» «Die musikalische Abendunterhaltung bei Cavaliere Landsberg jüngst war sehr glänzend und besucht vom Kronprinzen von Preussen, seinem Gefolge, fremden Gesandtschaften, Adelichen aus Rom, im Ganzen etwa aus dreihundert Personen, die im feinsten Putze erschienen. Die Reihen der Salons, die mit dem Reichthum ihrer Gemählde zu den schönsten Roms gehören, waren glänzend erleuchtet und schon vor 10 uhr Abends erfüllt, auf welche Stunde eingeladen war. Die Sänger und Sängerinnen erwarteten am Theetisch das Zeichen zum Anfangen. Begonnen wurde mit einem Chor und Quintett aus Così fan tutte; den Sopran sangen die Madame Sartoris, die, wenn schon in Jahren etwas vorgerückt, noch immer mit vollendeter Kunst singt, ferner die 19jährige Cousine Herrn Landsbergs, die eine sehr schöne Stimme hat und ihrer in Berlin genossenen musikalischen Bildung alle Ehre macht, die Dame dann aus Berlin, mit der ich bisweilen vierhändig spiele und endlich meine Wenigkeit. Im Alt ragte, wie zu denken, die unvergleichliche Stimme meiner Lehrerinn hervor, die durch ihren herrlichen Vortrag manches bewundernde Ah! den Zuhörern entlockte. Die Zahl der Männerstimmen war der unsrigen überlegen, um desto grösser unser Bestreben, nicht zurückzustehen und durch diesen Wetteifer der beinahe durchweg guten Stimmen musikalischer Personen wurde das Concert ein sehr gelungenes. Es wurden ferner aufgeführt Chöre und Solo-Gesänge aus Don Juan, Figaro, Euryanthe, Freischütz, die Kirchen-Arie von Stradella, eine Arie von Händel, eine aus den Jahreszeiten und mit Ausnahme eines Frauenterzetts von Curschmann alles mit italienischem Texte. Auch ich hatte die Ehre dem Kronprinzen als Signorina colla bella voce und als Schweizerinn vorgestellt zu werden.» «Auf dem Platze vor der Kirche degli Apostoli bemerkte ich unter dem Portale des Klosters gleichen Namens eine Menge päpstlicher Gardisten; mit solchen hatte ich schon im Vatican schweizerdeutsch gesprochen und ich fragte: «Wer erwartet me do?» «de Pabst», war die überraschende Antwort. Mit dem Militär uns französisch und mit den uns ebenfalls nahestehenden Adlichen der Leibgarde uns italienisch unterhaltend, gewannen wir uns unter Beiden Freundlichkeit, die ihr Möglichstes that, uns alles recht gut sehen zu lassen. [...] Der Pabst, ein sehr schöner Mann von 62 Jahren, sanften Angesichts mit dem Ausdrucke der Freundlichkeit und des Wohlwollens, liess sich aus dem Wagen heben. Er war weiss gekleidet mit dem sammtnen Scharlachkragen und der kleinen, weissen Atlasmütze auf den noch nicht ganz grauen Haaren.» «Am Weihnachtsmorgen [...] begleitete mich Herr Imhof nach Sankt Peter. Schwarz gekleidet und den Schleier umgethan, konnte ich einen Platz auf der Tribüne einnehmen, von wo aus man Alles übersah. [...] Der Pabst, der am Eingange des Doms durch einen Posaunentusch empfangen wurde, sass unter dem Baldachin; und von acht Männern getragen gelangte er zu dem Päbstlichen, weiss atlassnen Stuhl. [...] Seine Heiligkeit ertheilte dem knieenden Volke den Segen. und nun giengen die hundert Ceremonien an des Aus- und Ankleidens, des Hand- und Fusskusses, der Messe mit ihren verschiedenen Theilen, das Hin- und Hergehen, das Knien und Aufstehen, das Vor- und Rückwärts. Es soll das Alles bis aufs Kleinste seine symbolische Bedeutung haben. Es mag seyn. Aber das Wort macht lebendig, nicht das Symbol, nicht das Abspielen einer ganzen Reihe an sich sogar unverständlicher Symbole. und wie gieng das Alles vor sich! mit der völligsten Andachtlosigkeit. Es wird abgespielt! und zwar vom Oberhaupt der Christenheit. Ermüdend muss die unzahl der Ceremonien für ihn gewesen seyn; für unsereins auch und dazu noch sehr bemühend und wehmütig. [...] Aber die Musik! Ja das war nicht Ceremonie, das war Geist und Leben, das heilige Kunst; Erguss einer betenden Künstler- und Christen-Seele. Zum ersten Mal hörte ich die krytsallhellen, unvergleichlichen Soprantöne der Sänger [d.h. Kastraten] der päpstlichen Kapelle; sie sind schöner als die Töne auch der vollkommensten Instrumente; zwei Mönche mit ausgezeichneten Tenorstimmen unterstützten sie. Eine Messe von Palästrina und eine von Pergolese wurden ohne alle Begleitung mit solcher Vollkommenheit gesungen, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Der Vortrag war durch und durch gefühlt.» «Die Lichtmess, Candelara, wurde in der Peterskirche in der Anwesenheit einer zahllosen Volksmenge gefeiert; der Mittelpunkt der Festlichkeit war der Pabst. Die Offiziere, Franzosen wie Römer, die neue Guardia nobile, die sich jüngst glänzend ausstaffierte, so wie einige der ersten Adlichen Roms kamen mit ihren goldgeschmückten Wachskerzen, um sie unter Kniebeugung dem Statthalter Gottes und Christi zur Segnung darzureichen und ihm den Fuss zu küssen. unzählige Mahle musste er den Fuss hinhalten, und dieser wurde jedes Mahl wieder abgewischt. Es war sichtlich für den guten Mann eine grosse Anstrengung; er ward von Erschöpfung bald blass, bald roth. Der Herr aber wusch seinen Jüngern die Füsse, und sprach: ein Beispiel habe ich euch gelassen, dass ihr darnach thut.» «Den 12. Febr. war die kleine Kirche San Giuseppe gedrängt voll; es wurden zwei Nonnen eingekleidet, eine Prinzessin die eine, die andre eine Tochter vom Lande, beides Jungfrauen von 18 Jahren. Gleich nach dem Eintritt eines Kardinals erschienen die krystallhellen Himmelsbräute an der Hand einer ältern Dame, sie wie ihre Schützlinge im Schleppkleide von Atlas, geschmückt mit Hermelin, Spitzen, Blumen, Perlen, den Schleier aufgeschlagen: Sie beteten zuerst alle an einem Seitenaltare und nahmen darauf die ihnen bestimmten Plätze ein. Dann wurde in feuriger, italienischer Weise und Sprache eine Rede gehalten, die den beiden in den Orden der heil. Therese Tretenden dessen Gelübde und deren Seligkeiten schilderte. Hierauf ward Messe gelesen. Der Kardinal verliess mit den Töchtern an der Hand den Chor und führte sie hinter denselben in den Betsaal des Klosters. Eine Wand hinter dem Altare wurde weggeschoben und nun durch ein Gitter getrennt sah die Zuschauerschaft die Auskleidung und die Einkleidung. Ein Bracelet nach dem andern wurde entfernt, Seide und Blumen und Perlen bei Seite gelegt, Kranz und Schleier von den jugendlichen Köpfchen weggehoben und die langen aufgelösten Haare fielen unter der erbarmungslosen in der Sonne glitzernden Scheere. unter dem Gesang der Nonnen und dem Schluchzen der Zuschauer, die in das Miserere einstimmten, empfiengen die Opfer ihre neuen Namen und den Segen des Kardinals. Die Wand wurde vorgeschoben. Das Begräbnis der Lebendigen war beendigt.» «Gestern, am 10. Januar [1854], war ich in der Kirche der Propaganda. Meine Eintrittkarte war überschrieben: Academia di lingue nel Pontificio Collegio urbano de Propaganda Fide ad onore dei SS. re magi. unterhaltend war schon der Anblick der weissen, gelben, braunen, schwarzen Gesichter der Zöglinge dieser römischen Missionsanstalt, welche nun vor der grossen Versammlung in Gegenwart der Professoren und der ganzen hohen Geistlichkeit in etwa fünfzig Zungen Proben ihrer Sprachkenntnisse zu geben hatten. Ein Corsikaner eröffnete die Feierlichkeit mit einer lateinischen Rede, dann folgten Vorträge, in Prosa und Versen, hebräisch, chaldäisch, syrisch, afrikanisch usw., lappländisch, englisch, deutsch, Schweizerdeutsch usw. Ob das Hindostanische, Armenische usw. richtig sey gesprochen worden, wer wusste das? Die Feierlichkeit war wieder ein Spektakel. Schön allerdings klangen die arabischen Verse, spasshaft das Chinesische, klangreich die persische Poesie, das Türkische kräftig; auch das Französische, Italienische, Deutsche zeichnete sich aus; dagegen wurde das Englische zu breit und fast karrikiert vorgetragen; komisch lautete der schweizerdeutsche Dialog zwischen einem Solothurner und Freiburger, die im Tempo eines Adagios in einem Trauermarsch als die beiden Schutzpatrone ihrer Vaterstädte die Verbreitung des katholischen Glaubens besprachen und zwar im gelassensten Phlegma, das glücklicher Weise nicht allen Schweizern eigen ist, welches man hier neben dem sprudelnden Iren, dem beredten Franzosen, dem feurigen Italiener nicht gerade in ein vortheilhaftes Licht gestellt hatte. Den letzten Vortrag hielt ein glänzend schwarzer junger Mann aus Darfur, der bei seinem Auftreten die Versammlung auf eine ganz eigenthümliche Art grüsste. Zuletzt wurde noch in sieben Sprachen gedankt. [...] Eine angenehme unterhaltung war's, aber für die so heilige Sache der Mission war wol keine Seele gerührt und gewonnen.» 1855 erschien
in Aarau ohne Verfasserangabe ein kleines Bändchen Blätter
zur Erinnerung an Fanny Hünerwadel, gewiedmet ihren
Verwandten und Freunden. Aus dieser Quelle und aus
einem Artikel von Emil Braun Berühmte Lenzburger
Sängerinnen (Lenzburger Neujahrsblätter 1932)
schöpft unsere Darstellung nicht nur die meisten
Informationen und Zitate, sondern auch so manche Anleihe
in der Wortwahl.
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| «... unsre
gute jungfer Fanny Hühnerwadel ...» Eine Schweizer Komponistin in Wagners Zürcher Entourage |
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| von Chris Walton Hätte sich ein Musikforscher vor nicht allzu vielen Jahren seinem Ansehen unter Berufskollegen erheblichen Schaden zufügen wollen, so hätten ihm zwei Möglichkeiten zur Verfügung gestanden. Er hätte die Musik längst vergessener Komponisten ausgraben (womöglich Komponisten der Romantik bzw. Spätromantik) oder sich der Musik von Komponistinnen annehmen können. Heute sieht es anders aus. Beide Bereiche gehören nicht nur zum Mainstream, sondern sind unumstritten en vogue. Suchte man vor zwanzig Jahren in London Schallplatten der Musik etwa von Othmar Schoeck oder Fanny Hensel, so war man gezwungen, in dubiosen Läden mitten im Rotlichtbezirk Soho zu stöbern. Es war auch ratsam, die gekauften Gegenstände beim Verlassen des Ladens in einem braunen Papiersack zu verstecken, damit sie nicht von einem zufällig vorbeilaufenden Musikwissenschafter erkannt und deren Besitzer ausgelacht würden. Heute ist man nicht mehr dazu gezwungen, solche Aufnahmen quasi unter der Theke zu ergattern, nein, man braucht nur in die luxuriösen Megashops von Virgin Records an der Oxford Street zu spazieren, und siehe da, Dutzende von CDs der gewünschten Komponisten und -innen prangen in den Regalen. Es ist eigentlich höchste Zeit, und dennoch vermisst man das damalige Gefühl, etwas Halbverbotenes, beinahe unanständiges zu tun. Komponieren war zwar den Schweizer Frauen nie verboten, wie etwa das Abstimmen, aber zum guten Ton gehörte es lange nicht. Darin unterschied sich die Schweiz leider nicht vom restlichen Europa. Inzwischen hat die Frauenmusikforschung auch in der Schweiz Fuss gefasst, und im «Europäischen Archiv FrauenMusikForum» besitzt das Haus der Musik in Aarau ein ausgezeichnetes Frauenmusikarchiv unter hochkarätiger Leitung. Der Kanton Aargau war auch die Heimat der vielleicht einzigen bedeutenden Schweizer Komponistin des 19. Jahrhunderts. Es handelt sich um Fanny Hünerwadel, eine Grosstante von Peter Mieg, deren Nachlass zum Teil im Archiv der Peter Mieg-Stiftung in Lenzburg liegt (der Schreibfehler «Hühnerwadel» oben im Titel stammt von Richard Wagner, allerdings ist diese falsche Namensform auch in den Zürcher Konzertakten jener Zeit zu finden). Wir wissen nicht viel über Fanny; die wichtigste biographische Quelle sind die 1855 anonym in Aarau herausgegebenen Blätter zur Erinnerung an Fanny Hünerwadel, gewiedmet ihren Verwandten und Freunden, worin neben einer Kurzbiographie Fannys Briefe von ihrem letzten Auslandaufenthalt in Italien abgedruckt wurden. Der einzige andere bekannte Beitrag zu Fanny Hünerwadel erschien 1932 in den Lenzburger Neujahrsblättern in der Reihe Berühmte Lenzburger Sängerinnen von Emil Braun und stützte sich offensichtlich direkt auf die frühere Schrift. Für ausführliche biographische Informationen sei auf den hier veröffentlichten Beitrag von Beat Hanselmann hingewiesen. Als Fanny Hünerwadel im Jahr 1846 bei Alexander Müller Stunden nahm, war es wohl ihr erster enger Kontakt mit einem mehr oder weniger «international» anerkannten Musiker. Müller (1808-1863) war in Erfurt geboren und hatte u.a. bei Johann Nepomuk Hummel studiert. Eine Zeitlang arbeitete er in den Niederlanden, liess sich aber schon 1834 in Zürich nieder. Dort wurde er bald als Klavierlehrer und als Chordirigent sehr geschätzt. Er leitete den «Liste-Gesangverein», gründete 1837 den eigenen «Müllerschen Gesangverein» und dirigierte zeitweise auch den Sängerverein Zürich. Er komponierte natürlich auch, obwohl seine Musik eher handwerkliches Können als Stärke der Einfälle aufweist. Seine Opern Die Flucht nach der Schweiz und Die Mühle von St. Alderon oder die beiden Galeerensklaven wurden 1841 bzw. 1851 in Zürich aufgeführt, leider ist aber die Musik dazu heute verschollen. Müller hatte Richard Wagner um 1833 in Würzburg kennengelernt, wo dieser damals als «Choreinstudierer» am Theater arbeitete. Bei Müller fand Wagner auch Zuflucht, als er 1849 aufgrund seiner Teilnahme am gescheiterten Maiaufstand aus Dresden floh und nach Zürich gelangte. Im Sommer 1849 wohnte Wagner sogar für längere Zeit in Müllers Wohnung am unteren Rennweg. Dort schrieb er Die Kunst und die Revolution; vermutlich ist er zu jener Zeit auch erstmals mit Fanny Hünerwadel in Kontakt gekommen. Müller hat Fanny offenbar sehr geschätzt. Mit ihm sowie mit Wagners Busenfreund, dem Liederkomponisten Wilhelm Baumgartner (auch ein ehemaliger Schüler Müllers), nahm sie oft an Konzerten der Allgemeinen Musikgesellschaft (AMG) teil. Diese war damals die wichtigste Organisation im Musikleben Zürichs und de facto die Vorgängerin der heutigen Tonhallegesellschaft. Der Zugang zum Archiv der AMG erlaubt uns einen tieferen Blick in die Konzerttätigkeit von Fanny Hünerwadel, dieser heute vergessenen, aber im Zürich zur Zeit Richard Wagners nicht unbedeutenden Künstlerin. Es ist vielleicht aufschlussreich, ihre Auftritte bei der AMG aufzulisten, wie sie im Konzertverzeichnis der Gesellschaft stehen. |
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27.3.1849 |
Benefiz-Konzert für Josephine Morra. Zusammen mit Morra sang sie ein Duo für 2 Soprani aus Gaetano Donizettis Romeo et Julie (sic; dem Schreibenden ist keine solche Oper von Donizetti bekannt); auch sang sie in Quartetten für Gesang, Violine, Gitarre und Klavier von Bianchi, Moscheles, Mayseder und Giulani (begleitet wurde sie von Alexander Müller, Klavier, Heinrich Honegger, Violine, und Josephine Morra, Gitarre). |
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20.11.1849 |
Benefiz-Konzert für Alexander Müller. Fanny sang mit Karl Keller ein Duett für Sopran und Bass aus Wagners Fliegendem Holländer (wohl «Wie aus der Ferne längst vergang'ner Zeiten»). Als Pianistin trat sie mit «Fräulein Eschmann» mit einem Grand Duo von Johann Peter Pixis für 2 Klaviere über Themen aus Les Huguenots von Meyerbeer auf. Auch sang sie zwei Lieder für Gesang und Klavier von Wilhelm Baumgartner. In ihrem Nachlass befindet sich das Autograph von Baumgartners Abend-Lied (nach Hoffmann von Fallersleben) mit der Widmung: «Fräulein Fanny Hünerwadel zur Erinnerung an die erste Aufführung im Konzert Alex. Müller. Vom Komponist. Zürich 20. November 1849». |
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5.3.1850 |
6. Abonnementskonzert. Fanny sang Beethovens Scene ed aria Ah! Perfido!, auch sang sie mit Luise Corrodi zusammen Lieder für Sopran und Alt von Felix Mendelssohn. Wer die Klavierbegleitung spielte ist nicht überliefert; vielleicht war es Johann Carl Eschmann, der im gleichen Konzert auch Solostücke spielte. |
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18.3.1851 |
Benefiz-Konzert für das AMG-Orchester. Fanny sang Dove sono aus Mozarts Figaros Hochzeit. In der zweiten Programmhälfte dirigierte Wagner die siebte Sinfonie von Beethoven. |
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23.12.1851 |
3. Abonnementskonzert. Fanny sang Das wahre Glück von Charles Voss und eine Arie aus Faust von Ludwig Spohr. |
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6.1.1852 |
Benefiz-Konzert Alexander Müller. Fanny sang die Lieder Beim Sonnenaufgang von Carl Reinecke und Liebe und Frühling von Behrens (Vorname unbekannt; die Klavierbegleitung besorgte vermutlich Alexander Müller); das Lied Im Gebirg von Alexander Müller (mit Hans Conrad Ott-Imhof, Obligatoklarinette; die Klavierbegleitung übernahm wohl der Komponist). Sie sang die Sopranstimme in Die sanften Tage von Friedrich Kücken (Text von uhland) für Sopran, Tenor, Bass, Männerchor und Orchester (zusammen mit Heinrich Osthoff, Tenor, Karl Keller, Bass, und dem Sängerverein der Stadt Zürich). Auch spielte sie mit Alexander Müller zusammen das Duo von Sigismund Thalberg für zwei Klaviere über Themen aus Bellinis Norma. |
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10.2.1852 |
Benefiz-Konzert für den Cellisten C. Leopold Böhm. Fanny spielte die Ouvertüre zu Spohrs Jessonda, für acht Hände an zwei Klavieren bearbeitet (zusammen mit Alexander Müller, Wilhelm Baumgartner und Henriette Heisterhagen). |
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23.11.1852 |
1. Abonnementskonzert. Fanny spielte ein Rondo brillant für Klavier und Orchester (wohl op. 56 oder op. 98) von Johann Nepomuk Hummel. |
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21.12.1852 |
3. Abonnementskonzert. Fanny sang das Sopransolo in Händels Messias. |
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1.2.1853 |
Benefiz-Konzert Alexander Müller. Fanny sang eine Aria aus der Oper Libella von Carl Gottlieb Reissiger sowie den Sopran im Terzett aus Mozarts Clemenza di Tito (letzteres mit Emilie Heim und Franz Orth zusammen). Auch spielte sie mit Alexander Müller ein Duo brillant von Jean Henri Ravina für zwei Klaviere über Themen aus Webers Oberon und Euryanthe. |
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25.3.1853 |
Karfreitagskonzert. Fanny sang den Sopran in Friedrich Schneiders Oratorium Das Weltgericht; es sangen auch Henriette Rordorf (Alt), Carl Castelli (Tenor) und Franz Orth (Bass) sowie der Gemischte Chor Zürich. |
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| Nur einmal wird Fanny in den
Briefen Wagners erwähnt. In einem am 25. März 1850 in
Bordeaux verfassten Brief an Wilhelm Baumgartner schreibt
er: «Liebster bruder Boom! ... unsre gute jungfer
Fanny Hühnerwadel wird Dir auf Deine londoner frage
antwort geben»* allerdings ist die Bedeutung
dieser Stelle nicht klar. Laut den oben erwähnten
Blättern fand Fannys erster Londoner Besuch erst im Jahr
1851 statt; ob sich der Verfasser hierin geirrt hat und
ob damit eine Verbindung zu Baumgartner doch bestanden
hat, werden wir aufgrund der jetzigen Quellenlage wohl
nicht herausfinden können. Ob Wagner wusste, dass Fanny auch als Komponistin tätig war? Vermutlich schon, allerdings ist kaum zu erwarten, dass er dafür Interesse gezeigt hätte. Ob die gute jungfer Fanny aus bestem Hause dem eher berüchtigten Meister überhaupt nahe genug gekommen ist, um ihm ihre Kompositionen zu zeigen, entzieht sich ebenso unseren Kenntnissen. Trotz des herzlichen Tons vom Albumblatt, welches Wagner ihr am 30. April 1853 widmete, scheint Fanny Wagners Bild des Ewigweiblichen nicht entsprochen zu haben. Allerdings wäre sie deswegen nicht unbedingt zu bedauern gewesen (zur Zeit seines Briefes an Baumgartner plante Wagner gerade vergeblich, mit seiner jungen Freundin Jessie Laussot durchzubrennen). Vielleicht hatte das Albumblatt auch nur den Zweck, Fanny zur Mitwirkung bei den ersten «Wagner Festspielen» im darauffolgenden Mai in Zürich aufzumuntern, war doch Wagner zu dieser Zeit noch bemüht, die besten Kräfte so günstig wie möglich zu engagieren. Von Fanny Hünerwadel sind einige Klavierstücke und sieben Lieder für Gesang und Klavier erhalten. Sechs dieser Lieder wurden kurz nach ihrem Tode bei Philipp Fries in Zürich veröffentlicht. Die Klaviermusik Fannys wieder auszugraben, würde ihrem Andenken kaum einen Gefallen tun, denn sie verlässt nie den Rahmen des Naiv-Salonhaften (allerdings unterscheidet sie sich hierin nur wenig von der Klaviermusik Alexander Müllers). Die Lieder Fannys sind aber auf einem anderen Niveau, so dass sich eine nähere Beschäftigung mit ihnen lohnen würde. Zwar kann man nicht behaupten, dass hier Meisterwerke der Entdeckung harren, denn sie sind in der Begleitung etwas bieder, während die Texte manchmal allzu frömmlerisch sind. Fanny hat aber ihren Schubert gut gekannt; die Vertonung von Texten hat sie zu interessanteren harmonischen Wendungen geführt, als sie in ihrer Klaviermusik je gewagt hat; und sie hat ein gewisses Flair für hübsche, wenn auch eher anspruchslose Melodien. Eine kleine Auswahl der Lieder soll noch dieses Jahr aufgenommen werden, und zwar auf einer von der Zentralbibliothek Zürich organisierten CD mit Kompositionen von Wagner und seinen Zürcher Freunden.** unsre gute jungfer Fanny wird zwar nie eine Ehrenstellung im Pantheon der Schweizer Komponisten einnehmen. Einen bescheidenen Platz als Fussnote zur Schweizer Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts hat sie allerdings durchaus verdient, denn das Musikleben von Zürich und Lenzburg um 1850 wäre ohne sie zweifellos einiges ärmer gewesen. * Walter Keller, Hrsg., Richard Wagner: Briefe an Wilhelm Baumgartner 1850-1861 (Kommissionsverlag Buchhandlung Michelsen, Zürich, 1976), S. 19. Zu dieser Zeit hatte Wagner die Kleinschreibung übernommen (die er allerdings später wieder aufgab). **Die beiden Lieder Morgenlied und Im Frühling sind mit der Soranistin Zsuzsa Alföldi und dem Pianisten Christoph Keller auf CD erschienen: Richard Wagner und seine Zürcher Komponistenfreunde. Musikszene Schweiz, Migros-Genossenschafts-Bund, MGB CD 6153 |
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